Das Lernnetzwerk aus Sicht einer Musikpädagogin

Heute öffnet das Lernnetzwerk offiziell seine virtuellen Tore. Ich freue mich sehr. Ich bin freiberufliche Musikpädagogin und arbeite im Privatunterricht und an Schulen. Ich gestalte ganze Unterrichtseinheiten. Das Lernnetzwerk wird meine Arbeit ab heute maßgeblich bereichern.

Endlich kann ich den Unterricht vielfältiger gestalten - endlich werden alte Schemata mit verbindlichen Unterrichtsinhalten wegfallen. Der Unterricht darf sich endlich an den Interessen und Vorlieben der Lernenden orientieren.

Das geht besonders gut über den Feedbackprozess im Lernnetzwerk. Die Lernenden können Rückmeldung zu meinem Unterricht geben - hier wird nicht bewertet, sondern reflektiert. Dank diesem Feedback kann ich von meinen Schüler:innen lernen und meinen Unterricht laufend verbessern. All dies geschieht in gegenseitiger Wertschätzung, dafür gibt das Lernnetzwerk den geeigneten Rahmen vor.

Andersherum hilft mir eine KI im Lernnetzwerk dabei meinen Lernenden Feedback zu ihrem Lernprozess zu geben. Ich kann dank des Zugriffs auf das digitalisierte Curriculum direkt die erlangten Kompetenzen bestätigen. Da ich als Lehrende außerdem die Lernziele meiner Schützlinge einsehen kann, die meinen Unterricht betreffen, erarbeitet die KI anhand der neu erreichten Ziele neue Vorschläge für zukünftige Lernpfade. Nun kann ich meine Empfehlungen dazu beisteuern und die Lernenden entscheiden schließlich darüber, welchen Weg sie als nächstes einschlagen möchten. Dann kann ich widerum den nächsten Unterricht dahingehend planen. So ist wahre Selbstwirksamkeit für die Lernenden möglich. Mir erleichtert es außerdem die Arbeit beim Planungsprozess.

Zurück zum Feedbackprozess, in dem die Lernenden Einschätzungen über meinen Unterricht abgeben. Diese Daten können durch die KI anonymisiert ausgewertet werden und wenn ich es möchte, veröffentlicht werden, um für mich und meine Arbeit zu werben. In diesem Umfeld zählen nicht mehr Zertifikate, sondern reale Ergebnisse. Auch Feedback, das ich von Kolleg:innen erhalten habe, kann ich hier mit einfließen lassen. Es zählt übrigens das alles oder nichts Prinzip - im Lernnetzwerk geht es um Ehrlichkeit und Authentizität. Entweder ich aktiviere die Anzeige der Auswertung des Feedbacks und dann fließen alle Rückmeldungen mit ein oder ich schalte sie aus. Ich kann sie also nicht verfälschen, indem ich entscheide, welches Feedback einfließt und welches nicht. Wenn ich mich nicht bereit fühle, die Auswertung zu veröffentlichen, kann ich immer noch Auszüge aus meinem Lernportfolio veröffentlichen, die stellvertretend für meine Lernerfolge stehen und mich auf diesem Wege präsentieren.

Worauf ich mich am meisten freue, sind die neuen Möglichkeiten zur Kollaboration mit meinen Kolleg:innen. Im Lernnetzwerk werden die nötigen Schnittstellen hergestellt, sodass etwas ähnliches wie Wikipedia entsteht und ich Wissen und Lehrmaterialien finden kann, die ich für meine Arbeit benötige. Auch ich selbst kann mein Wissen und meine Lehrmaterialien teilen. Hier finde ich sowohl Theorie, als auch Methoden, Erfahrungsberichte und Materialien in unterschiedlichsten Formaten.

Darüber hinaus organisieren sich über das Lernnetzwerk verschiedenste Stammtische und ähnliche Austauschformate, an denen ich teilnehmen kann, um mich mit anderen Lehrenden direkt auszutauschen, Fragen zu stellen, gemeinsam zu reflektieren oder neue Projekte zu entwickeln.

Dank dem Lernnetzwerk ist die Arbeit mit Lehrenden nun kein Konkurrenzkampf mehr, sondern ein kollegiales Miteinander. Dafür verpflichten sich alle Teilnehmenden zu gegenseitigem Respekt und Wertschätzung.

Jetzt habe ich so viel berichtet, aber zum Schluss möchte ich noch ein praktisches Beispiel mitbringen, um all dies zu veranschaulichen:

Wir sind im Einzelunterricht. Wir üben einen Song. Meine Schülerin äußert jetzt den Wunsch, begleitende Stimmen zu bekommen. Wir loggen uns ins Lernnetzwerk ein und geben eine Suchanzeige auf: Möchten spontanes virtuelles Ensemble gründen. Wir geben die benötigten Fähigkeiten an und wann der Unterricht nächstes Mal stattfindet.

Schnell finden sich Interessierte und als wir das nächste Mal zusammenkommen, haben wir über das Lernnetzwerk mehrere Musiker:innen zugeschaltet und gemeinsam spielen wir den Song erneut. Alle sind begeistert und möchten das wiederholen. Es entwickelt sich eine feste Lerngruppe mit Lernenden aus ganz Deutschland. Bald verabreden wir uns für einen Workshop in Präsenz mit anschließendem Auftritt. Hieraus erwachsen außerdem wunderbare Freundschaften.